22.05.2014 | Deutscher Bundestag / 18. WP / Sitzung 36 / Tagesordnungspunkt 3

Uda HellerCDU/CSU - Berufliche Bildung

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Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Zuerst die gute Nachricht: Es gibt noch Schüler, die sich um ihre berufliche Zukunft Gedanken machen und darüber, welcher Beruf ihren Interessen und Neigungen entspricht. – Diese Überschrift konnte ich vorige Woche in der Zeitung meiner Heimatstadt lesen. Sie stammt also nicht von mir.

Ich denke, diese Jugendlichen hat es immer gegeben; nur waren ihre Chancen auf einen Ausbildungsplatz geringer, da die Bewerberzahl das Angebot deutlich überstieg. Doch der Ausbildungsmarkt hat sich verändert. Die Waage zwischen Ausbildungsangeboten und Ausbildungsplatzsuchenden ist fast ausgeglichen. Demgegenüber stehen die vielfältigen Probleme, die heute alle schon angesprochen wurden: Jugendliche in Übergangsmaßnahmen, zu hohe Abbrecherquoten usw. Ich denke, wir müssen mit einem vernetzten Vorgehen gemeinsam unserem Ziel näherkommen, dem Ziel, Jugendliche in duale Ausbildung zu bringen und ihnen Perspektiven für ihre Zukunft aufzuzeigen. Hier wäre eine Verständigung in der Kultusministerkonferenz über Maßnahmen, die sich in den Schulgesetzgebungen der Länder widerspiegeln müssen, sehr hilfreich.

Unter dem Titel „Weiterentwicklung des ‚Übergangssystems Schule/Ausbildung/Beruf‘“ hat der Landtag von Sachsen-Anhalt im März 2014 einen Antrag verabschiedet. Einer der Aufträge ist die Erfassung von bundeseinheitlichen und landesspezifischen Projekten, Maßnahmen und Programmen, die im Land Anwendung finden. Ich denke, dieser Antrag ist dringend notwendig, da viele Programme unabgestimmt parallel laufen. Wir müssen die Nutzhaftigkeit dieser Projekte beurteilen und daraus unsere Schlüsse ziehen.

Die Angebote an den Schnittstellen zwischen Schule und Berufsausbildung sind sehr vielfältig und werden von den verschiedensten Ministerien koordiniert. Ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg ist hierbei eine flächendeckende, stärker systematisierte und mit mehr Verbindlichkeit versehene Berufsorientierung. Diese beginnt in den Schulen. Dafür müssen die Lehrerinnen und Lehrer – das wurde vorhin schon gesagt – durch Fort- und Weiterbildungen befähigt werden, und es muss ihnen die für diese spezielle Aufgabe nötige Zeit eingeräumt werden. Ich denke, es ist auch ein Problem, wenn der Auftrag nicht konkret formuliert wird; denn dann kann ich ihn nicht so ausführen, wie ich das gerne möchte und wie es vielleicht notwendig wäre.

Dem praxisbezogenen Lernen und der Zusammenarbeit von Schule und Wirtschaft müssen ein größerer Stellenwert eingeräumt werden;

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU sowie des Abg. Willi Brase [SPD])

denn zielgerichtete und flächendeckende Praktika führen zur Senkung der viel zu hohen Abbrecherquoten in der dualen, aber auch in der akademischen Ausbildung. Daher muss nach meiner Überzeugung die Berufsorientierung auch an Gymnasien ein fester Bestandteil werden.

Der Landkreis, aus dem ich komme, hat seit 1990 die höchste Arbeitslosigkeit in Sachsen-Anhalt. Es gab und gibt immer noch Handlungsbedarf, sowohl in der beruflichen Ausbildung als auch in der Fachkräftesicherung. Daher war die Bewerbung um das Bundesprogramm „Perspektive Berufsabschluss“ folgerichtig. Ich durfte drei Jahre lang diese Maßnahme leiten und kann mir aufgrund meiner praktischen Erfahrungen ein Urteil darüber bilden, ob sie sinnvoll war oder nicht.

Der wichtige erste Schritt war, Transparenz bei Angebot und Nachfrage herzustellen. Aber auch die Zusammenarbeit und Kooperation beispielsweise mit der Agentur für Arbeit, dem Jobcenter, den Schulen und berufsbildenden Schulen, den Kammern und der Wirtschaft mussten verbessert und koordiniert werden. Wir erzielten erste Erfolge durch die Abstimmung der Entscheidungsträger im Bildungsbereich, die Steigerung der Transparenz regionaler Hilfsangebote und die Verbesserung der Eltern- und Lehrerinformation. Es zeigte sich, dass eine Bildungskooperation zielführend ist. So entschloss sich mein Landkreis, dieses Projekt zu verstetigen, und gründete ein sogenanntes Bildungsbüro als Anlaufstelle.

Ich will damit sagen, dass Berufsorientierungsprogramme des Bundes nach Abschluss durchaus nicht in der Schublade verschwinden, Frau Ministerin, sondern Wegbereiter für eine sinnvolle Verstetigung sein können. Eine landesweite Ausdehnung des regionalen Übergangsmanagements auf alle Landkreise ist vom Kultusministerium des Landes Sachsen-Anhalt vorgesehen. Die Jugendberufsagenturen könnten ähnlich gestaltet werden. Ich denke, der Name ist dabei nicht das Wichtigste, sondern die Ausgestaltung und vor allem die kooperative Zusammenarbeit in diesem Bereich.

(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)

Es ist natürlich auch wichtig, Schwachstellen in diesem Projekt zu identifizieren und aufzuzeigen. Man kann Dinge nur verändern – auch das wurde schon gesagt –, wenn man die Ursachen kennt. Es ist wichtig, Statistiken aussagekräftig zu gestalten. Wenn ich nicht zeitnah weiß, wie viele Schüler die Schule verlassen und mit welchem Abschluss, kann ich ihre späteren Wege nicht nachvollziehen. So fallen immer wieder viele Jugendliche durch das Netz bzw. in die sogenannten Warteschleifen. Als versorgt wird zum Beispiel auch jemand benannt, der in eine Ersatzmaßnahme eingegliedert wird. Die Schüler, die sich bei keiner Agentur als „zu vermitteln“ melden, fallen gänzlich durch das Raster. Auch diese gibt es. Sie fangen zum Beispiel bei einem Onkel eine Lehre an oder machen eben gar nichts.

Diese Statistiken müssen ausgewertet und die hohen Lösungsquoten von Ausbildungsverträgen analysiert werden. Dadurch können wir die Probleme am Ausbildungsmarkt erkennen, aber auch, ob unsere jungen Leute überhaupt eine Ausbildung wollen. Dieser Aspekt ist meiner Meinung nach heute zu kurz gekommen. Ich habe in einer Berufsschule gearbeitet. Bei einem Schüler mit 300 Fehlstunden wussten wir zum Beispiel nicht, wie wir diesen Schüler zu einem Abschluss bringen. Ich denke, auch dieses Thema sollten wir nicht außen vor lassen. Wir müssen überlegen, wie wir die Motivation auf beiden Seiten stärken.

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD)

In allen vorliegenden Anträgen finden sich gute Ansätze. Lassen Sie uns die Probleme gemeinsam angehen.

(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)

Letzter Redner zu diesem Tagesordnungspunkt ist der Kollege Sven Volmering für die CDU/CSU-Fraktion.

(Beifall bei der CDU/CSU)


Daten
Quelle Deutscher Bundestag, Nutzungsbedingungen
Quellenangabe Deutscher Bundestag via Open Parliament TV
Abgerufen von http://dbtg.tv/fvid/3437899
Wahlperiode 18
Sitzung 36
Tagesordnungspunkt Berufliche Bildung
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