18.06.2015 | Deutscher Bundestag / 18. WP / Sitzung 112 / Tagesordnungspunkt 13

Maria BöhmerCDU/CSU - Sicherung des UNESCO-Weltkulturerbes

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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Bamiyan, Timbuktu, Mossul, Nimrud, Ninive, Hatra, Palmyra und Sanaa – einst stolze Orte der Kultur, heute Orte des Schreckens. Wir halten immer wieder den Atem an, weil dort Menschen getötet, jahrtausendealte Kulturgüter für immer zerstört und wir mit menschenverachtender Barbarei und religiösem Extremismus konfrontiert werden.

Das Wüten von Terrororganisationen wie ISIS im Irak übersteigt unser Vorstellungsvermögen. Die Spur der Zerstörung schneidet tiefe Wunden in das Erbe von Menschen, in die Geschichte einer Region, in die Identität eines Volkes und in das kulturelle Gedächtnis der Welt. Wir müssen für unsere Werte einstehen. Es geht um die Würde der Menschen, um Toleranz, Achtung vor der Vielfalt und Respekt für andere und ihre Kultur. Dafür müssen wir kämpfen.

(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)

Viele fragen mich, ob wir uns nicht als Erstes um die Menschen kümmern müssten. Meine Antwort ist: Es gibt kein Entweder-oder. Bundestagspräsident Norbert Lammert hat es treffend auf den Punkt gebracht:

Terroristen sind sich der Kraft der Kultur sehr wohl bewusst. Gerade deshalb wollen sie die kulturellen Wurzeln auslöschen; denn Kultur ist die Basis für die Identität, für den Zusammenhalt und für die Existenz von Menschen. Gerade deshalb müssen wir alles tun, um Kulturgüter zu schützen und zu erhalten.

(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)

Deshalb hat Deutschland gemeinsam mit dem Irak eine Resolution zum Schutz von Kulturgütern in die Generalversammlung der Vereinten Nationen eingebracht. Im Mai wurde diese Resolution im Konsens angenommen – mit großer Unterstützung auch der muslimischen Staaten. Das ist von außerordentlicher Bedeutung; denn es hat gezeigt: Die von ISIS vorgebrachte religiöse Begründung wird von keinem Staat der Welt – auch von keinem muslimischen Staat – akzeptiert.

Zwei Dinge sind mir persönlich wichtig: Die Resolution ächtet die terroristischen Angriffe auf Kulturgüter als eine neue Strategie der Kriegsführung und als Kriegsverbrechen, die jeder Staat strafrechtlich verfolgen muss. Weiter fordert die Resolution alle Staaten der Welt auf, den Irak beim Schutz seiner Kulturgüter zu unterstützen. Wir erleben nicht nur Zerstörungen. Plünderungen, Raubgrabungen und illegaler Kulturgüterhandel sind an der Tagesordnung. Jeder muss wissen, dass er mit dem Kauf und dem Verkauf von illegal ausgeführten Kulturgütern den Terrorismus finanziert. Das ist nicht hinnehmbar.

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)

Meine Kollegin, Kulturstaatsministerin Monika Grütters, hat den Entwurf eines Gesetzes für einen besseren Kulturgüterschutz vorgelegt. Damit wird dem illegalen Kulturgüterhandel endlich ein wirksamer Riegel vorgeschoben werden.

Unsere Experten helfen im Irak und an anderen Orten der Welt ganz konkret. Ich möchte insbesondere dem Deutschen Archäologischen Institut und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz sehr herzlich für diese hervorragende Arbeit danken.

(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)

Liebe Kolleginnen und Kollegen, Naturkatastrophen wie jüngst in Nepal, Umweltbeeinträchtigungen, wirtschaftliche Interessen oder einfach nur Vernachlässigung bedrohen ebenfalls Kulturgüter und Welterbestätten. Mit dem Kulturerhalt-Programm des Auswärtigen Amts konnten wir bereits sehr erfolgreich viele Projekte unterstützen. Die dramatische Entwicklung der letzten Jahre zeigt uns jedoch, dass wir eine intensivere Koordinierung und ein zusätzliches Notprogramm für Kulturgüter und Welterbestätten in Gefahr brauchen. Das ist ein zentraler Punkt dieses Antrags. Für diese wichtige Weichenstellung möchte ich Ihnen allen sehr herzlich danken.

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD)

Doch auch in Deutschland haben wir die Erfahrung gemacht, dass unsere Welterbestätten auf nachhaltige Unterstützung angewiesen sind. Ich freue mich, dass wir alle hier im Bundestag uns gemeinsam dafür einsetzen, auch in den Wahlkreisen. Die Notwendigkeit der besseren Unterstützung wird auch im Antrag aufgegriffen.

Zum Schluss, meine lieben Kolleginnen und Kollegen, möchte ich den Blick auf die bevorstehende 39. Sitzung des UNESCO-Welterbekomitees in Bonn werfen. Wir erwarten 1 500 Teilnehmer aus 191 Staaten. Das gibt uns die einmalige Chance, der Welt unseren kulturellen Reichtum und unsere Naturschätze zu präsentieren, vom Aachener Dom, der ersten Welterbestätte, bis hin zum Kloster Corvey, das letztes Jahr in die Welterbeliste aufgenommen worden ist.

Ich möchte Ihnen sagen: Es geht um Neueinschreibungen – wir alle sind sehr gespannt –, um den Erhalt des Welterbes und um Reformen. Denn wir wollen eines erreichen: Die Welterbekonvention, die eine einzigartige Erfolgsgeschichte ist, gilt es zu erhalten und zu sichern. Denn es geht um den außergewöhnlichen, universellen Wert der Welterbestätten weit über eine einzelne Region, weit über ein einzelnes Land hinaus. Es handelt sich um das Erbe der Menschheit. Das lohnt jede Anstrengung. Ich darf Ihnen sagen: Ich kann mir keine schönere Aufgabe vorstellen.

Herzlichen Dank.

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)

Das Wort hat die Kollegin Sigrid Hupach für die Fraktion Die Linke.

(Beifall bei der LINKEN)


Daten
Quelle Deutscher Bundestag, Nutzungsbedingungen
Quellenangabe Deutscher Bundestag via Open Parliament TV
Abgerufen von http://dbtg.tv/fvid/5267692
Wahlperiode 18
Sitzung 112
Tagesordnungspunkt Sicherung des UNESCO-Weltkulturerbes
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