10.09.2015 | Deutscher Bundestag / 18. WP / Sitzung 121 / Einzelplan 17

Alois RainerCDU/CSU - Familie, Senioren, Frauen und Jugend

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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Zu den wesentlichen Zielen der Familienpolitik gehört es, Familien und Kinder wirksam zu unterstützen und zu fördern; denn Ehe und Familie sind das Fundament unserer Gesellschaft.

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)

Daher ist es für uns auch ein besonderes Anliegen, gute Rahmenbedingungen zu schaffen, damit die Menschen in Deutschland ihren Wunsch nach Kindern und Familie verwirklichen können. Folglich ist es auch richtig, dass wir unsere solide, verlässliche und auch stabilitätsorientierte Politik weiter fortsetzen. Wir wollen eine Politik, die das Miteinander aller Menschen in unserem Land fördert, eine familienfreundliche Gesellschaft und eine Gesellschaft, in der alle Generationen willkommen sind.

Aus diesem Grund sprechen wir heute beim vorliegenden Haushaltsentwurf über einen Gesamtansatz von rund 9,183 Milliarden Euro. Dies entspricht einem Aufwuchs – das haben wir schon gehört; aber ich sage es gerne noch einmal – gegenüber dem Soll von 2015 um etwa 647 Millionen Euro; prozentual gesehen sind das 7,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Es ist, meine sehr verehrten Damen und Herren, auch der Einzelplan, der in dieser Legislaturperiode prozentual am stärksten anwächst. Der Bundesfinanzminister hat demzufolge viel für die Familien übrig.

(Beifall bei der CDU/CSU)

Lassen Sie mich zunächst auf die gesetzlichen Leistungen eingehen; dazu ist schon viel gesagt worden. Insgesamt betragen diese Leistungen knapp 87  Prozent des gesamten Haushalts im Einzelplan 17. Im Wesentlichen ist es das heute schon oft angesprochene und im Jahr 2007 eingeführte Elterngeld mit rund 5,8 Milliarden Euro für das Jahr 2016. Auch in den folgenden Jahren gehen wir auf die sehr positive Entwicklung beim Elterngeld ein. So werden die Mittel für das Elterngeld um 245 Millionen Euro angehoben. Das sind insgesamt 63 Prozent des Ausgabenrahmens im Einzelplan 17. Lieber Herr Kollege, ich habe vorhin von Ihnen gehört: Das ist selbstverständlich. – 5,8 Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen, ist für mich als Haushälter nicht selbstverständlich.

(Beifall bei der CDU/CSU)

Ich finde das Elterngeld sehr gut und hervorragend. Es wurde gut eingeführt und gut weitergeführt. Aber 5,8 Milliarden Euro sind beileibe keine Selbstverständlichkeit. Das darf an dieser Stelle auch in einer Haushaltsdebatte gesagt werden.

Nach gut acht Jahren ist das Elterngeld wahrlich ein Erfolgsmodell. Es wird immer beliebter. Auch ich als Mann finde es gut, dass immer mehr Männer, Väter, es in Anspruch nehmen. Während es im Jahr 2007 noch etwa 18 Prozent der Väter waren, ist der Anteil in den folgenden Jahren stetig gestiegen. Neben dieser wichtigen Leistung wurden alle Ansätze bedarfsgerecht angepasst. Auch die Alleinerziehenden wurden dementsprechend berücksichtigt.

Liebe Uli Gottschalck, für uns sind die Mehrgenerationenhäuser ja immer ein Thema. Ich denke, wir haben es jetzt einigermaßen geschafft, dass die Mittel hierfür verstetigt werden. Es begann mit einem Pilotprojekt, das dann weitergeführt worden ist. Ich bedanke mich auch bei den weiteren Haushältern, die uns hierbei unterstützt haben.

Als CSU-Politiker natürlich einige Sätze zum Betreuungsgeld. Ich weiß nicht, ob es heute eine Rednerin oder einen Redner gegeben hat, die oder der nicht über das Betreuungsgeld referiert hat; es ist vieles gesagt worden. Das Bundesverfassungsgericht sah in diesem Zusammenhang das Fehlen der Gesetzgebungskompetenz beim Bund, sodass schlussfolgernd die Länder für das Betreuungsgeld zuständig sind.

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)

Sie können sich sicher sein, dass wir die Menschen nicht alleine lassen. Alle Anträge, die vor der Verkündung des Urteils bewilligt wurden, genießen selbstverständlich Vertrauensschutz und werden dementsprechend haushalterisch erfasst; das hat auch die Ministerin schon gesagt.

In den letzten Wochen – und noch immer – gingen ja die tollsten Überlegungen zum Betreuungsgeld durch die Medien. Es muss zunächst einmal ganz deutlich gesagt werden, dass die 1 Milliarde Euro aus dem Wegfall des Betreuungsgeldes nicht zur Gänze zur Verfügung steht. Abgesehen davon finde ich es aber schon gut, dass sich so viele Köpfe darüber Gedanken machen, was denn nun aus dem Betreuungsgeld wird. Sie können sich sicher sein, dass wir auch in dieser Angelegenheit eine gemeinsame, gute Lösung finden werden. Meine sehr verehrten Damen und Herren, gehen Sie fest davon aus – ich gehe auf alle Fälle davon aus –, dass das Betreuungsgeld in Bayern weiterhin gezahlt wird.

(Beifall bei der CDU/CSU – Alexander Ulrich [DIE LINKE]: In Bayern?)

– Ja.

Eines ist in diesem Zusammenhang noch zu erwähnen: Das Bundesverfassungsgericht geht in seinem Urteil auf unser im Grundgesetz verankertes föderales System ein. Hier muss schon die Frage erlaubt sein, inwieweit der Bund für manch geforderte Leistungen auf Länder- bzw. auf kommunaler Ebene überhaupt zuständig ist. Der junge Kollege der Linken ist ja schon weg. Ihm hätte ich das gerne mit auf den Weg gegeben.

(Dr. Kirsten Tackmann [DIE LINKE]: Vereinbarkeit von Familie und Beruf!)

– Ja, ja.

Ich möchte nicht unerwähnt lassen – auch das ist vorhin schon gesagt worden –, dass nicht nur der Bund Steuermehreinnahmen hatte, sondern auch Länder und Kommunen. Wenn wir schon über Verteilung sprechen, meine sehr verehrten Damen und Herren, dann müssen wir uns gerade auch mit Blick auf die jetzige Situation über eine Änderung des Grundgesetzes unterhalten. Eine direkte Unterstützung der Kommunen kann nur dann sichergestellt werden, wenn das Geld auch da ankommt, wo es am dringendsten gebraucht wird.

(Beifall bei der CDU/CSU sowie des Abg. Sönke Rix [SPD])

Und wir wissen, dass das momentan bei den Kommunen der Fall ist.

Es ist immer wieder davon die Rede, dass wir die Kommunen stärker unterstützen müssen. Ich kann nur sagen: Von 2010 bis 2019 werden die Kommunen vom Bund mit 150 Milliarden Euro unterstützt. Das gab es in dieser Form noch nie. Vielen herzlichen Dank an diejenigen, die hierfür Verantwortung tragen!

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)

Dabei sind die 3 Milliarden Euro noch nicht berücksichtigt, die am vergangenen Sonntag im Koalitionsgipfel für die Länder und Kommunen ausgehandelt worden sind.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wenn wir über Familien sprechen, dann sprechen wir auch über Familien und Menschen, die aus den Kriegsgebieten flüchten. Die außenpolitische Situation im Nahen und Mittleren Osten, insbesondere der furchtbare Krieg in Syrien und die menschenverachtenden Gräueltaten durch den IS-Terror führen dazu, dass Menschen ihre Heimat verlassen, ja verlassen müssen. Sie alle kennen die Bilder, die über den Ticker laufen. Es ist furchtbar. Dass wir den Menschen helfen, die unsere Hilfe benötigen, steht nicht zur Debatte.

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)

Schon jetzt engagieren sich viele Bürgerinnen und Bürger und helfen bei der Flüchtlingshilfe. Das ist ein großartiges Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit. Ich bedanke mich ganz herzlich bei allen Menschen in Deutschland für das große Verständnis.

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD)

Auch Bundesfreiwillige werden eingesetzt, um Flüchtlinge und Flüchtlingsfamilien in der Anfangsphase zu begleiten. Auch ist es ein gutes Signal, dass beim Bundesfreiwilligendienst zur Unterstützung der Menschen in Not 10 000 zusätzliche Stellen eingerichtet werden sollen. Schon jetzt fördert der Bundesfreiwilligendienst zivilgesellschaftliches und ehrenamtliches Engagement von Frauen und Männern aller Generationen in unserem Land. In Zahlen ausgedrückt sind für den Bundesfreiwilligendienst bisher 167 Millionen Euro jährlich vorgesehen. Für die 10 000 zusätzlichen Stellen kommen weitere 43 Millionen Euro hinzu. Das ist ein Pfund, das wir den Ehrenamtlichen zugestehen wollen. Das ist auch gut. Wir schätzen die ehrenamtliche Arbeit in Deutschland wie Sie, Frau Ministerin, und das nicht erst jetzt, sondern schon seit vielen Jahren. Das, was die Ehrenamtlichen leisten, könnten wir hauptamtlich gar nicht machen.

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)

Wie das Ganze am Ende der Tage ausgearbeitet wird, muss in den nächsten Wochen besprochen werden. Ich bin überzeugt, dass das BAFzA diese Aufgabe wie viele andere auch wieder erfolgreich meistern wird.

Kollege Rainer, wir müssen jetzt auch mit der Zeit haushalten. Ich bitte, das Zeichen zu beachten.

Ja, ich bin sofort fertig. Es ist das erste Mal, dass ich überzogen habe, Frau Präsidentin.

Ich finde, wir haben einen Entwurf vorliegen, mit dem man sehr gut arbeiten kann. Ich freue mich auf die Arbeit mit den Kolleginnen und Kollegen Berichterstattern, dem Haushaltausschuss und den Verantwortlichen im Ministerium, und ich lade Sie alle ein, konstruktiv und vor allem sehr aktiv an den kommenden Beratungen teilzunehmen. Ich bin überzeugt, dass wir dann für unsere Familien und für alle Generationen in Deutschland ein gutes Ergebnis erreichen werden.


Daten
Quelle Deutscher Bundestag, Nutzungsbedingungen
Quellenangabe Deutscher Bundestag via Open Parliament TV
Abgerufen von http://dbtg.tv/fvid/5765285
Wahlperiode 18
Sitzung 121
Tagesordnungspunkt Familie, Senioren, Frauen und Jugend
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