Nicole WestigFDP - Finanzielle Eigenanteile in Pflegeheimen
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Als die Pflegeversicherung in den 1990er-Jahren eingeführt wurde, war ich bei den Jungen Liberalen politisch engagiert, und wir waren entsetzt: nicht über die Pflegeversicherung an sich – ihre Einführung war ein richtiger und wichtiger Schritt –, nein, wir waren entsetzt über ein weiteres soziales Sicherungssystem, bei dem Junge für Alte zahlen, und dies, obwohl man genau wusste, dass im Zuge des demografischen Wandels immer weniger Junge für immer mehr Alte würden zahlen müssen. Hier wurde ein ungedeckter Scheck auf die junge Generation ausgestellt.
(Beifall bei der FDP)
Damals als Junge Liberale hielt ich das für einen Fehler. Und wir Freie Demokraten wollen diesen Fehler nicht verschlimmern, indem wir dieses System auch noch zu einer Vollversicherung ausbauen. Klug und weitsichtig wäre es gewesen, schon damals ein System einzuführen, das sich auf Rücklagen stützt und so auf nachfolgende Generationen Rücksicht nimmt.
(Beifall bei der FDP – Matthias W. Birkwald [DIE LINKE]: Und das nach der Finanzkrise 2008/2009!)
Liebe Kolleginnen und Kollegen von den Linken, wenn es hier eine durchgreifende politische Initiative der Bundesregierung geben sollte, dann doch die, unsere sozialen Sicherungssysteme, auch die Pflegeversicherung, endlich generationengerecht anzulegen.
(Beifall bei der FDP – Matthias W. Birkwald [DIE LINKE]: Was heißt das denn?)
Nachhaltigkeit gilt doch nicht nur für unsere Umwelt, sondern auch für unsere Finanzen.
(Matthias W. Birkwald [DIE LINKE]: Was heißt das denn?)
Bis zum Jahr 2030 soll die Zahl zu Pflegender auf 3,5 Millionen anwachsen. Besonders rasant wird die Zahl der Pflegefälle bei Hochbetagten steigen. Wie soll all das finanziert werden? Ohne mehr Eigenverantwortung wird es aus Sicht der Freien Demokraten nicht gehen,
(Beifall bei der FDP – Matthias W. Birkwald [DIE LINKE]: Wer soll das denn zahlen?)
um auch gerade die Menschen weiterhin auffangen zu können, die sich aus eigener Kraft nicht helfen können. Ich denke da vor allem an Langzeitarbeitslose, Alleinerziehende und Erwerbsgeminderte.
Meine Damen und Herren, vieles liegt bei der Pflege im Argen. Wir müssen den Pflegenotstand in Deutschland dringend beseitigen. Wir brauchen händeringend mehr Pflegekräfte. Aber woher sollen diese Pflegekräfte kommen? Die Pflegeausbildung ist auf halber Strecke liegen geblieben.
(Erich Irlstorfer [CDU/CSU]: Was erzählen Sie für Geschichten?)
Die Finanzierung ist nicht geklärt, und – da gebe ich Ihnen Recht – es ist ein Unding, dass der Eigenanteil in Pflegeheimen als Ausbildungsumlage in der Altenpflege dient. Auch deshalb fordern wir die Bundesregierung auf, endlich eine Regelung zur Finanzierung der Pflegeausbildung aus Steuermitteln vorzulegen, für die der Bund geradesteht.
(Beifall bei der FDP – Erich Irlstorfer [CDU/CSU]: Vorher informieren würde helfen!)
Jetzt ein Wort zu den privaten Anbietern, die Sie wieder einmal verteufeln – zu Unrecht, wie ich finde;
(Beifall der Abg. Christine Aschenberg-Dugnus [FDP])
denn in Zeiten von Pflegenotstand brauchen wir nicht weniger, sondern mehr privates Engagement in der Pflege.
(Beifall bei der FDP – Harald Weinberg [DIE LINKE]: Privates Engagement heißt Geld an Parasiten! Ich glaube, ich spinne!)
Wie sonst wollen wir den steigenden Bedarf an Pflegeplätzen decken? Es ist nichts Unanständiges, auch in der Pflege gewinnorientiert zu arbeiten.
(Matthias W. Birkwald [DIE LINKE]: Die einen sagen so, die anderen sagen so!)
Pflegekräfte sollen angemessen bezahlt werden und bessere Arbeitsbedingungen erhalten, damit der Beruf attraktiver wird.
(Beifall bei der FDP – Matthias W. Birkwald [DIE LINKE]: Öffentliche Daseinsvorsorge muss nicht privat sein! Wirklich nicht!)
Wie soll man das denn sonst schaffen?
Wenn es Missstände gibt – Missstände sind natürlich unerträglich, auch bei Privaten –, dann gehören doch die Missstände abgeschafft und nicht die privaten Einrichtungen.
(Beifall bei der FDP)
Lösen Sie sich doch endlich von der irrigen Vorstellung, dass der Staat alles besser kann!
Unser Ziel muss es sein, die Finanzierung der Pflegekosten endlich so zu gestalten,
(Harald Weinberg [DIE LINKE]: Dass sie auch gewinnbringend für die privaten Investoren ist!)
dass sie auch für künftige Generationen tragfähig sein wird. Meine Damen und Herren, schaffen wir schnell Klarheit bei der Finanzierung der Pflegeausbildung, verbessern wir die Arbeitsbedingungen in der Pflege, und sorgen wir dafür, dass in der Pflege jetzt und in der Zukunft nicht nur soziale Gerechtigkeit, sondern auch Generationengerechtigkeit herrscht!
Vielen Dank.
(Beifall bei der FDP – Matthias W. Birkwald [DIE LINKE]: Wie gut, dass Sie nicht regieren! – Pia Zimmermann [DIE LINKE]: Unterste Schublade!)
Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat die Kollegin Kordula Schulz-Asche das Wort.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Quelle | Deutscher Bundestag, Nutzungsbedingungen |
Quellenangabe | Deutscher Bundestag via Open Parliament TV |
Abgerufen von | http://dbtg.tv/fvid/7205953 |
Wahlperiode | 19 |
Sitzung | 17 |
Tagesordnungspunkt | Finanzielle Eigenanteile in Pflegeheimen |