Rainer SpieringSPD - Multiresistente Keime im Wasser
Herr Präsident! Liebe Gäste auf den Tribünen! Kolleginnen und Kollegen! Die Frage des Einsatzes von Antibiotika erzeugt bei mir Betroffenheit. Wir diskutieren hier auf der Basis eines NDR-Berichts. Der Fluss, der dort benannt worden ist, fließt durch meine Heimatstadt, die Hase. Glauben Sie mir, das erzeugt etwas in einem. Auch komme ich aus einem Bereich, in dem landwirtschaftliche Produktion und Tierhaltung eine extrem große Rolle spielen. Ich bin in einem Alter, in dem man den Einsatz von Antibiotika noch sehr zu schätzen wusste. Deswegen möchte ich dringend darauf hinweisen, dass Antibiotika im 20. Jahrhundert ein Segen für die Menschheit gewesen sind.
(Sylvia Kotting-Uhl [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Aber womöglich nicht mehr lange!)
Gehen wir sorgfältig damit um – bitte ganz sorgfältig.
Wenn Sie auf den NDR-Bericht abheben, kann ich Ihnen dazu sagen: Es gab dazu vor 14 Tagen im Niedersächsischen Landtag eine Große Anfrage der Grünen. Sie ist vom Umweltminister beantwortet worden. Daraus möchte eine Passage wiedergeben. Der Minister sagte zu Recht: Wir wissen zu wenig. – Jetzt wird das Land Niedersachsen eine großangelegte Studie mit 200 Probestellen anfertigen lassen. Sie wird hoffentlich eine valide Aussage zulassen.
Dazu ist zu sagen, dass das kein niedersächsisches Problem ist, sondern unser aller Problem, auch ein europäisches Problem. Also werden wir Mittel des Bundes nehmen müssen, um diese Forschung breitflächig zu unterstützen. Nur so können wir zu validen Aussagen kommen, die uns dahin bringen, mit Antibiotika schonender, vorsichtiger und eingeschränkter umzugehen.
Kollege Lenkert, es hat mich schon aufgebracht, dass Sie eben von 1 700 Tonnen Antibiotika pro Jahr in der Tiermedizin gesprochen haben, obwohl es heute 742 Tonnen sind. Das finde ich nicht in Ordnung. Ich finde, da sollten Sie auch die Kraft haben, zu sagen: Ich habe mich hier vertan.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP)
Ich sage aber im gleichen Atemzug – da habe ich ganz große Bedenken –: Ja, Artur Auernhammer, die Menge der Antibiotika wurde heruntergefahren, allerdings aufgrund gesetzlichen Drucks. Jetzt kommt der entscheidende Punkt: Der Antibiotikaeinsatz war minimierbar durch wesentlich bessere Hygiene und besseres Farmmanagement auf den Höfen. – Es gilt in der Humanmedizin wie in der Tiermedizin: Das A und O im Umgang mit Antibiotika ist Hygiene. Das heißt, wir haben hier ein Potenzial, das wir noch nicht gehoben haben.
Ich möchte darauf hinweisen: Wir haben jetzt noch 149 Tonnen Reserveantibiotika im Einsatz. Wir können trefflich darüber streiten, was ein Reserveantibiotikum ist. Jetzt gehe ich aber einmal in die größeren Zahlen: Das sind 149 000 Kilogramm, 149 Millionen Gramm. Wenn Sie wissen, dass eine Ampulle 40 Milligramm enthält, dann haben Sie eine ungefähre Vorstellung davon, was in den Verkehr gebracht wird.
Ich glaube, dass wir im Umgang mit Reserveantibiotika deutlich besser werden müssen. Glauben Sie mir: Das ist die letzte Bastion, die wir haben. – Ich persönlich glaube, dass der Einsatz von Reserveantibiotika in der Tierhaltung sehr bedenklich ist und massiv eingeschränkt werden muss.
(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Ralph Lenkert [DIE LINKE])
Wenn es nach mir persönlich ginge, würde ich ihren Einsatz in der Tierhaltung untersagen. Denn wir brauchen irgendwo eine Brandmauer, die sicherstellt, dass das, was wir an Antibiotika haben, dem Menschen dann, wenn der Keim kommt, auch noch Hilfe leisten kann. Da wir es durch die Gesetzgebung in den letzten Jahren hinbekommen haben, die Menge so dramatisch zu reduzieren, bin ich mir ganz sicher, dass wir durch weitere Maßnahmen auch dafür sorgen können, sie aus den Ställen zu verbannen. Da kommt unsere große Aufgabe: Wir müssen der Landwirtschaft Hilfsmittel geben, um genau das tun zu können. Gestatten Sie mir, das noch zu sagen: Wir haben dafür ein gutes Mittel; es ist die GAP. Lassen Sie uns die entsprechenden Mittel passgenau dafür einsetzen. Dann können wir eine Menge erreichen.
Herzlichen Dank.
Quelle | Deutscher Bundestag, Nutzungsbedingungen |
Quellenangabe | Deutscher Bundestag via Open Parliament TV |
Abgerufen von | http://dbtg.tv/fvid/7210200 |
Wahlperiode | 19 |
Sitzung | 20 |
Tagesordnungspunkt | Multiresistente Keime im Wasser |