19.10.2018 | Deutscher Bundestag / 19. WP / Sitzung 59 / Tagesordnungspunkt 31

Michael KufferCDU/CSU - Qualitätsmanagement beim BAMF

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Herr Präsident! Kolleginnen und Kollegen! Das BAMF ist aus dem Fokus der Medien gerückt – dafür ist Herrn Präsidenten Sommer, vor allem aber auch dem Bundesinnenminister zu danken –,

(Oliver Krischer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist jetzt nicht Ihr Ernst!)

aber ihm gilt weiterhin unsere volle Aufmerksamkeit. Zu wichtig ist seine Funktion als zentrales Instrument der Steuerung und Begrenzung der Zuwanderung. Zu wichtig ist seine Funktion als Instrument zur Unterscheidung der Fälle von Menschen, die unsere Hilfe brauchen, von jenen Fällen von Menschen, die sie wollen, die aber eben in keiner humanitären Notlage sind. Zu wichtig ist auch seine Funktion als Sicherheitsbehörde.

Wenn ich Ihnen jetzt sage, dass in diesem Amt im letzten halben Jahr meines Erachtens unglaublich viel erreicht worden ist und damit auch Vertrauen zurückgewonnen worden ist, dann ist das kein Widerspruch dazu, dass wir unsere Bemühungen sehr konsequent fortsetzen müssen

(Beifall bei der CDU/CSU)

und – das möchte ich hinzufügen – dauerhaft ein Ohr für die Belange dieser Behörde haben müssen, gewissermaßen in der Mühsal der Ebene und eben nicht nur in Sonntagsreden.

Wir haben mit dem Haushalt 2018 fast 1 650 zusätzliche Stellen für das Amt ermöglichen können. Wir haben knapp 4 500 Stellen entfristet. Man sieht auch, dass damit im Hinblick auf die Verfahrensbeschleunigung entscheidende Wirkungen erzielt worden sind. Der Rückstand ist fast vollständig abgebaut worden. Hatten wir zu Beginn des Jahres 2017 noch 430 000 offene Verfahren, waren es im September 2018 weniger als 60 000, wobei 90 Prozent dieser Verfahren jünger als 12 Monate waren. Wir haben aktuell eine Bearbeitungsdauer von 2,9 Monaten. Damit sind wir, glaube ich, auf einem sehr guten Weg, was die Verfahrensdauer betrifft.

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)

Fachaufsichtliche Instrumente sind erheblich gestärkt worden, zum Teil neu eingeführt worden. Ein erweitertes Qualitätssicherungssystem ist etabliert. Es sind neue IT-Tools zur Identitätsfeststellung eingeführt worden. Die Pilotierung von Systemen zur Anhörungsunterstützung für Entscheider läuft.

Aber noch wichtiger – das möchte ich an dieser Stelle mit großem Dank hervorheben – ist freilich der Faktor Mensch. Mit der neuen Führung des Amtes hat nach meiner Wahrnehmung auch eine neue Führungskultur Einzug gehalten. Ich möchte an dieser Stelle Herrn Präsidenten Dr. Sommer, Frau Vizepräsidentin Schumacher und Herrn Vizepräsidenten Dr. Richter – stellvertretend für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – ausdrücklich für den Einsatz und die Zurückerlangung von Vertrauen danken.

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)

Insofern sage ich Ihnen auch: Das BAMF des Jahres 2018 ist nicht mit dem BAMF der Jahre 2014 bis 2016 gleichzusetzen. So oder so möchte ich hier eine Lanze für die Mitarbeiter brechen: Die übergroße Mehrheit der BAMF-Mitarbeiter hat auch in den Jahren 2014 bis 2016 – –

(Zuruf des Abg. Martin Hebner [AfD])

– Es ist bezeichnend, dass Sie gerade, wenn es um die Mitarbeiter geht, wieder dazwischenkrakeelen. – Aber darum geht es mir jetzt: Der übergroße Anteil der Mitarbeiter hat auch in den schwierigen Jahren des BAMF die Aufgaben sorgfältig und korrekt verrichtet, und dies – das muss man immer wieder sehen – in einer beispiellosen Überlastungssituation.

(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD – Dr. Bernd Baumann [AfD]: Die Sie herbeigeführt haben!)

Für die Zurückgewinnung des Vertrauens war und ist freilich auch die Aufarbeitung der Vorkommnisse essenziell. Die Prüfung durch die interne Revision hat ergeben, dass von den 4 568 Verfahren, an denen die verdächtigen Anwaltskanzleien beteiligt waren, 601 Fälle schwere Mängel aufwiesen, die dann auch zu Widerrufs- und Rücknahmeverfahren geführt haben; in 1 047 Fällen lagen formale Fehler und Unplausibilitäten vor, die aber in der Sache zu keiner falschen Entscheidung geführt haben.

Alle positiven Entscheidungen der Außenstelle Bremen seit 2006 sind mit einem immensen Aufwand geprüft worden: 63 Vollzeitentscheider, 13 000 Akten zu 18 000 Antragstellern, die gesichtet worden sind. Dafür wirklich sehr herzlichen Dank! Das war für die Zurückgewinnung des Vertrauens ebenso wichtig wie die hervorragende Zusammenarbeit des Amtes mit den Ermittlungsbehörden. Insofern glaube ich, dass in puncto Vertrauen sehr viel Boden gutgemacht worden ist.

Aus alldem waren Lehren zu ziehen, die auch gezogen worden sind. Qualität geht vor Quantität. Bundesminister Seehofer und Staatssekretär Mayer haben dies immer wieder bekräftigt, und ich halte es für richtig. Die Mitarbeiter- und die Abarbeitungszahlen müssen im richtigen Verhältnis zueinander stehen. Insofern glaube ich, dass das Amt nun auch für neue Aufgaben gerüstet ist.

Herr Kollege Kuffer, der Kollege Baumann möchte eine Zwischenfrage stellen.

Nein, danke; mit Rücksicht auf die Kollegen, die alle nach Hause müssen, jetzt nicht mehr.

(Michael Grosse-Brömer [CDU/CSU]: Sehr gut!)

Ein Beispiel für eine solche neue Aufgabe ist die Einbindung in die AnKER-Zentren und damit eben auch eine noch bessere und engere Zusammenarbeit mit den Verwaltungsgerichten.

Insofern will ich abschließend sagen, dass viel erreicht worden ist, dass wir weiterhin die Aufmerksamkeit auf dieses Amt richten müssen und werden. Aber einen Antrag, liebe Kolleginnen und Kollegen von den Grünen, wie Sie ihn hier stellen, in dem Sie Selbstverständlichkeiten postulieren wie „Alle im Rahmen der Anhörung vorgetragenen Gründe sind im Rahmen der Bescheiderstellung sorgfältig zu prüfen und zu bewerten“, den – man könnte sagen: derlei Gebrauchsanweisungen – brauchen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Amtes, glaube ich, nicht.

Vielen Dank.

(Beifall bei der CDU/CSU)

Nächster und letzter Redner in dieser Debatte ist der Kollege Josef Oster, CDU/CSU.

(Beifall bei der CDU/CSU)


Daten
Quelle Deutscher Bundestag, Nutzungsbedingungen
Quellenangabe Deutscher Bundestag via Open Parliament TV
Abgerufen von http://dbtg.tv/fvid/7283084
Wahlperiode 19
Sitzung 59
Tagesordnungspunkt Qualitätsmanagement beim BAMF
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