10.05.2019 | Deutscher Bundestag / 19. WP / Sitzung 99 / Zusatzpunkt 17

Hermann FärberCDU/CSU - Aktuelle Stunde zum globalen Report zur Artenvielfalt

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Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Laut dem Zustandsbericht des Weltbiodiversitätsrates sind 1 Million Arten vom Aussterben bedroht. Das heißt, es ist in der Tat an der Zeit, gemeinsam und global gegenzusteuern.

Wie ist die Ausgangslage? Zurzeit leben 7 Milliarden Menschen auf der Welt. Jährlich wächst die Bevölkerung um weitere 70 Millionen Menschen an. All diese Menschen benötigen Wasser, Nahrungsmittel, Energie und Rohstoffe. Durch den steigenden Bedarf verschlechtern sich die Ökosysteme von Wasser, Land und Luft. Der Zustandsbericht des Weltbiodiversitätsrates nennt deshalb viele Ursachen – nicht nur eine! – für den Verlust der Biodiversität und der Arten – beispielsweise: die Auswirkungen des Klimawandels, die Expansion der Landwirtschaft in den Tropen, Viehzucht in Lateinamerika und Ölplantagen in Südostasien, die vor Ort zum Verlust von waldreichen Gebieten führen.

Genannt wurde auch die Zunahme der urbanen Ballungsgebiete. Seit 1992 haben sich die städtischen Gebiete verdoppelt, was zur Flächenversiegelung und zur Zerstörung der Kulturlandschaften beigetragen hat. Der Materialverbrauch pro Kopf ist laut Bericht um 15 Prozent gestiegen. Das wiederum führt zu beispiellosen Mengen an Abfallprodukten. Ein weiteres Beispiel: Über 80 Prozent der globalen Abwässer werden ungeklärt wieder in die Umwelt zurückgeleitet. 400 Millionen Tonnen Schwermetalle, Lösungsmittel, toxische Substanzen und andere Abfälle aus Industrieanlagen werden weltweit jedes Jahr in Gewässer eingeleitet. Die Schlussfolgerung des Weltbiodiversitätsrates lautet: Eine verringerte Nutzung der Ökosysteme ist von einer Verminderung des Konsums abhängig. Für die Verbesserung der Welt trägt also auch jeder Mensch mit seinem eigenen Konsumverhalten ein Stück der Verantwortung.

(Beifall bei der CDU/CSU)

Die Bundesregierung arbeitet daran, die Energiewende so zu gestalten, dass die Klimaschutzziele erreicht werden. Weiterhin setzt die Regierung mit dem Aktionsprogramm Insektenschutz und der Ackerbaustrategie auf eine größere Bandbreite in den Bereichen Pflanzenbau und Biodiversität. Ja, wir brauchen wieder eine größere Kulturvielfalt auf unseren Feldern. Diese wird vor allem durch kleine und mittlere Betriebe garantiert. Doch gerade diese kleineren und mittleren Betriebe müssen wir vor allzu vielen Regulierungen schützen.

Leider gibt es in Deutschland auch Beispiele, wo sich der Artenschutz selbst im Weg steht. In meinem Wahlkreis konnte ich mir vor kurzem ein eindrucksvolles Bild verschaffen. Dort haben strenge Vorschriften für FFH-Gebiete zu einer starken Ausbreitung der hochgiftigen Pflanze Herbstzeitlose geführt, die die eigentlich erwünschte Biodiversität, die Orchideen, die dort wachsen, wieder sehr stark zurückdrängt. Von 1 500 Hektar FFH-Flächen in meinem Landkreis sind bereits 42 Prozent davon betroffen.

Die Wissenschaftler des Weltbiodiversitätsrates betonen die Notwendigkeit einer vernetzten, globalen Strategie. Deshalb dürfen wir den Fokus wirklich nicht allein auf die heimische Landwirtschaft richten. Denn die Wissenschaftler haben uns bei der Vorstellung des Berichts Dienstagfrüh auch gesagt: Selbst wenn wir in Deutschland die gesamte Kulturlandschaft unter Naturschutz stellen und nichts mehr nutzen, keinen Ertrag mehr realisieren und nichts mehr anbauen würden, wäre das falsch. Das wäre kontraproduktiv; denn dann würden all die von uns benötigten Produkte in anderen Teilen der Welt produziert, und zwar mit mehr Landverbrauch und auch zu schlechteren Bedingungen für die Ökologie. – Das stammt, bitte schön, nicht von mir, sondern von den Wissenschaftlern, die uns den Bericht am Dienstagmorgen vorgestellt haben.

(Steffi Lemke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Aber diese Forderung hat nie ein Mensch aufgestellt! Das ist doch absurd!)

Welchen Schluss ziehen wir daraus? Es braucht fundamentale Veränderungen bei Technologie, in Wirtschaft und Gesellschaft,

(Beifall der Abg. Judith Skudelny [FDP])

und diese Veränderungen müssen unsere Ziele und Werte mit einschließen. Daher gilt es, umsichtige, wirksame und vor allem maßvolle Entscheidungen zu treffen und diese dann weltweit umzusetzen.

Vielen Dank.

(Beifall bei der CDU/CSU)

Das Wort hat der Kollege Rainer Spiering für die SPD-Fraktion.

(Beifall bei der SPD)


Daten
Quelle Deutscher Bundestag, Nutzungsbedingungen
Quellenangabe Deutscher Bundestag via Open Parliament TV
Abgerufen von http://dbtg.tv/fvid/7353432
Wahlperiode 19
Sitzung 99
Tagesordnungspunkt Aktuelle Stunde zum globalen Report zur Artenvielfalt
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