06.11.2020 | Deutscher Bundestag / 19. EP / Session 190 / Tagesordnungspunkt 30

Ursula SchulteSPD - Lage der älteren Generation - Digitalisierung

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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Bevor ich näher auf den achten Altersbericht „Ältere Menschen und Digitalisierung“ eingehe, sind mir folgende persönliche Anmerkungen sehr wichtig: Älter sein, alt sein ist so viel mehr als Pflegebedürftigkeit und Krankheit.

(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)

Gerade angesichts des Coronavirus hat sich dieser eingeschränkte Blick auf ältere Menschen noch einmal verstärkt. Alle über 60 wurden nicht mehr als Menschen gesehen, die noch mitten im Leben stehen, sondern nur noch als Risikogruppe angesehen, die es zu schützen galt. Das ist zwar nicht grundsätzlich falsch, wird aber den älteren Menschen nicht gerecht. Schutzbedürftig sein bedeutete im Frühjahr dieses Jahres für Pflegebedürftige, Sterbende oder Menschen im Krankenhaus vor allem Einsamkeit und Isolation. Dies hat sehr viel Leid verursacht und darf sich so nicht wiederholen.

(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)

Mir ist sehr bewusst, dass das Handeln in Pandemiezeiten immer auch ein Balanceakt ist. Dennoch sage ich: Wir müssen das Recht auf soziale Teilhabe pflegebedürftiger Menschen wahren; denn sie sind und bleiben Inhaber ihrer Grundrechte.

(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)

Liebe Kolleginnen und Kollegen, in keiner Debatte zur Digitalisierung darf der Hinweis auf die Infrastruktur fehlen. Genauso wichtig ist natürlich die Frage, wie es gelingen kann, die Digitalisierung für alle, also auch für ältere Menschen, nutzbar zu machen. Ich glaube ja – da geht es auch mir persönlich manchmal so –, dass ältere Menschen nur so tun, als würden sie der Technik ablehnend gegenüberstehen. In Wirklichkeit verstehen sie die technischen Neuerungen nicht, finden die Anwendungen zu schwierig und scheitern schon an der Bedienungsanleitung. Es kommt also auch auf die Nutzerfreundlichkeit an. Angebote wie die der kommunalen Mehrgenerationenhäuser können da helfen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, der achte Altersbericht sagt, es gibt nicht den älteren Menschen, und er meint sogar, dass die Verschiedenheit im Alter noch wächst. Neben dem Bildungsstand bestimmen natürlich die finanziellen Ressourcen die jeweiligen Lebenssituationen und damit auch die Teilhabemöglichkeiten. Viele ältere Menschen haben einfach keinen Zugang zum Internet oder können sich die Technik nicht leisten. Es ist für mich nicht verwunderlich, dass wieder einmal die älteren Frauen besonders benachteiligt sind. Daher sollten wir den Vorschlag im Altersbericht, digitale Teilhabe über sozialrechtliche Hilfen oder mittels der Hilfsmittelkataloge zu fördern, auf jeden Fall prüfen.

(Beifall bei der SPD)

Liebe Kolleginnen und Kollegen: Ein zu Hause zu haben, ist für ältere Menschen – noch einmal – von enormer Bedeutung. Deswegen wollen ja auch viele möglichst lange zu Hause, im gewohnten häuslichen Umfeld bleiben. Bei der Erfüllung dieses Wunsches kann die Digitalisierung helfen, angefangen von der Möglichkeit, sich nach Hause Lebensmittel liefern zu lassen oder von der Telemedizin Gebrauch zu machen.

Das letzte Zuhause ist dann oft eine stationäre Einrichtung. Meine Generation wird den Zugang zum Internet und zu digitalen Diensten schon als selbstverständlich erachten. Mich hat es ein bisschen erschüttert, dass nicht nur die BAGSO, sondern noch andere gesagt haben, dass es nur in einem Drittel der Seniorenheime einen Internetzugang für die Bewohnerinnen und Bewohner gibt, und das oft nur in Gemeinschaftsräumen. Wie man der Meinung sein kann, dass ältere Menschen keine Privatsphäre mehr brauchen, erschließt sich mir leider nicht.

(Beifall bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)

Hier besteht wirklich dringender Handlungsbedarf, und unsere Ministerin hat ja schon Wege der Unterstützung aufgezeigt.

Leider sagt die Präsidentin, dass meine Redezeit zu Ende ist. Deswegen kann ich nicht mehr auf den FDP-Antrag eingehen, den wir ablehnen werden, weil der Bund hier nicht originär zuständig ist.

Herzlichen Dank.

(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)

Vielen Dank, Frau Kollegin.

(Ursula Schulte [SPD]: Oh, Entschuldigung!)

– Alles gut; der Fehler ist mir neulich auch passiert.

Nächste Rednerin ist die Kollegin Katharina Landgraf, CDU/CSU-Fraktion.

(Beifall bei der CDU/CSU)

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Electoral Period 19
Session 190
Agenda Item Lage der älteren Generation - Digitalisierung
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