16.04.2021 | Deutscher Bundestag / 19. WP / Sitzung 222 / Tagesordnungspunkt 35

Jens LehmannCDU/CSU - Bewältigung der Corona-Krise

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Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Wenn nicht große Teile der AfD Corona leugnen und schon simpelste Maßnahmen wie das Maskentragen ablehnen würden, wäre uns allen tatsächlich schon viel geholfen.

(Beifall bei der CDU/CSU und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Peter Weiß [Emmendingen] [CDU/CSU]: Sehr richtig!)

Vielleicht auch den Fitnessstudios; denn die achten auf Hygiene, auch schon vor Corona. Tücher und Desinfektionssprays zur Säuberung von Geräten gehören zum grundlegenden Hygienestandard eines jeden Studios.

(Markus Kurth [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das hilft aber nicht bei Aerosolen!)

Ich selbst möchte auch, dass die Menschen wieder Sport treiben können. Ich selbst würde auch gerne wieder offene Fitnessstudios sehen. Mein Sportlerherz blutet, wenn ich mit Studiobetreibern rede, wenn ich mit Menschen spreche und ihre Sehnsucht nach intensiven Trainingseinheiten heraushöre. Ich leide mit allen Sportlern, die gerne wieder Sport treiben würden wie früher, es aber derzeit nicht oder nur eingeschränkt können. Es ist furchtbar; das muss man eindeutig sagen.

Man muss aber auch klar sagen, dass wir mitten in der dritten Welle der Coronapandemie stehen.

(Zuruf von der AfD)

Schauen Sie sich die Inzidenzzahlen der Landkreise an: Greiz 474, Hof 460, Wartburgkreis 372. Soll ich Ihnen die Telefonnummern von Betroffenen geben, die geliebte Menschen verloren haben?

(Zuruf der Abg. Leni Breymaier [SPD])

Oder möchten Sie mal das Klinikpersonal anrufen und deren Stimmungslage erfragen?

Seit über einem Jahr verrichten die Pflegekräfte in deutschen Kliniken Schwerstarbeit. Wenn Sie sich die Bettenauslastung in den Kliniken anschauen, dann sehen Sie im DIVI-Intensivregister freie Betten im Bereich zwischen 9 und 21 Prozent. Da ist nicht mehr viel Luft nach oben. Die Zahl der freien Betten ist die eine Sache. Der aus meiner Sicht viel wichtigere Indikator ist das Personal. Als Radsportler sage ich Ihnen: Die fahren auf der letzten Rille.

(Zurufe von der AfD)

Das Krankenhauspersonal arbeitet unermüdlich. Sie sind seit einem Jahr total erschöpft, sie sind an ihrer Belastungsgrenze. Und da reden wir nicht nur über Coronapatienten. Nein, es kommen zusätzlich zu den Coronapatienten auch andere Patienten auf die Stationen. Wir müssen an dieses Personal denken, und wir müssen an deren Belastung, an deren Überlastung denken. Wir sollten an dieser Stelle allen Pflegern und Ärzten für ihre harte und unermüdliche Arbeit danken!

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)

Sie wissen alle, dass ich als Sportler immer für den Sport eintrete. Ich möchte sehr gern, dass wir alle wieder unserem Lieblingssport nachgehen können. Deshalb muss es uns gelingen, Sport und Bewegung zu ermöglichen. Ich selbst unterstütze in Leipzig das Modellprojekt RESTART-19 des SC DHfK Leipzig und der Universität Halle, um auch wieder Zuschauer in die Arenen zu lassen.

Voraussetzung dafür aber sind niedrigere Inzidenzahlen. Aber bei Zahlen um die 400 müssen wir unsere Wünsche, so schwer es auch sein mag, hintanstellen. Wegen der erneut steigenden Zahlen sehe ich es also als schwierig an, dass wieder Sport in Fitnessstudios gemacht werden kann oder Zuschauer bei Sportveranstaltungen zugelassen sind. So sehr das auch schmerzt!

Dennoch sind Kontaktreduzierungen weiterhin nötig; denn die Inzidenz liegt aktuell bei 160. Ich bin auch kein Fan von Inzidenzwerten als alleinigem Maßstab. Ich denke, wir müssen weitere Faktoren wie die Bettenauslastung oder die Impfquote in die Bewertung für künftige Maßnahmen miteinbeziehen. Weil wir aber jetzt den Inzidenzwert verwenden, möchte ich es noch einmal betonen: 160! Zum Zeitpunkt Ihres Antrages am 18. März lag der Wert bei 90. Das ist ein Anstieg von 77 Prozent in nicht mal einem Monat. Da hätte ich mindestens eine Überarbeitung Ihres Antrags, besser noch eine Rücknahme erwartet.

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)

Aber gut, mit Zahlen haben Sie es scheinbar nicht so. Denn ich wüsste nicht, dass am „25. Februar 2012 sukzessive Öffnungen … ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 35“ vereinbart wurden, so wie es im Antrag steht. Am 25. Februar 2012 spielte Kaiserlautern noch in der Bundesliga und hat 0:4 gegen Mainz verloren; aber so viel nur am Rande.

(Heiterkeit bei der CDU/CSU)

Sehr geehrte Kollegen von der AfD-Fraktion, falls Sie die Entwicklung aufmerksam verfolgt haben: Es gab im Bund-Länder-Beschluss vom März dieses Jahres einen vereinbarten Stufenplan, der auch kontaktfreien Sport im Innenbereich beinhaltet. Insofern haben die Länder bereits einen einheitlichen Rahmen erarbeitet, auf dessen Grundlage die Öffnung von Fitnessstudios möglich ist. Schauen Sie sich beispielsweise gerne mal die sächsische Coronaordnung an: § 8 oder § 8a.

Abschließend stelle ich fest, dass es bereits Regelungen für die Öffnungen von Fitnessstudios gibt, weswegen Ihr Antrag abzulehnen ist. Stattdessen sollten wir uns alle darauf konzentrieren, die Pandemie so schnell wie möglich mit zielgerichteten Maßnahmen einzudämmen, damit wir nicht nur Fitnessstudios wieder öffnen können, sondern auch Kinos, Gaststätten, Theater und den Einzelhandel.

Vielen Dank.

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)

Vielen Dank, Kollege Lehmann. – Ich schließe die Aussprache.


Daten
Quelle Deutscher Bundestag, Nutzungsbedingungen
Quellenangabe Deutscher Bundestag via Open Parliament TV
Abgerufen von http://dbtg.tv/fvid/7515521
Wahlperiode 19
Sitzung 222
Tagesordnungspunkt Bewältigung der Corona-Krise
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