28.09.2022 | Deutscher Bundestag / 20. WP / Sitzung 56 / Zusatzpunkt 2

Thomas ErndlCDU/CSU - Entschließungsantrag zur Regierungserklärung vom 22. Juni 2022

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Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich glaube, wir müssen hier eine ehrliche Debatte führen. Es kann nicht sein, dass Kolleginnen und Kollegen der Ampelkoalition in Talkshows, in den sozialen Medien immer eine komplett andere Botschaft senden als hier in diesem Parlament. Das ist doch unglaublich.

(Beifall bei der CDU/CSU)

Es geht hier doch um das Selbstverständnis des Parlaments. Wenn wir uns am 28. April, vor genau fünf Monaten, einig waren, dann muss es doch auch Ihr Anspruch sein, dass dieser Beschluss von der Regierung umgesetzt wird.

(Dr. Joe Weingarten [SPD]: Machen wir doch!)

Es kann doch nicht sein, dass Sie sich hierhinstellen und sagen, zehn Haubitzen auf 1 300 Kilometer Frontlinie sind eine ausreichende Unterstützung des größten und wirtschaftsstärksten Landes auf diesem Kontinent.

(Beifall bei der CDU/CSU)

Dass dieser Antrag heute zur Abstimmung kommt, liegt doch an Ihrer Verzögerungstaktik und nicht an einer ehrlichen inhaltlichen Auseinandersetzung, meine Damen und Herren.

(Beifall bei der CDU/CSU)

Ich gebe Ihnen ein paar Anregungen, und vielleicht kann ich auch noch einen Einwurf machen. Ich zitiere gerne aus einem Tweet des Kollegen Faber vom August, der noch einmal unterstreicht, wie denn eigentlich die Situation ist – auf Deutsch übersetzt –:

Ich schäme mich für mein Land. Es tut mir leid, wir werden versuchen, besser zu werden.

Ich glaube, besser kann man auch nicht zusammenfassen und beschreiben, wie unsere Unterstützung der Ukraine ausschaut.

Ich gebe Ihnen einmal ein paar Anregungen, weil die Dinge nämlich glasklar vor einem liegen. Dass die Atomkraftwerke nötig sind, damit wir gut durch den Winter kommen, liegt doch glasklar vor uns. Dass die Gasumlage kontraproduktiv ist, liegt glasklar vor uns. Und trotzdem streitet, zögert und zaudert diese Regierung. Das ist genauso bei der Unterstützung der Ukraine.

Die Ukraine kann nur mit massiver Unterstützung von uns weiter bestehen. Auch das liegt glasklar auf dem Tisch. Und es liegt ebenso glasklar auf dem Tisch, dass es nie wieder eine Zusammenarbeit mit Putins Russland geben kann und wird. Es ist auch absolut unvorstellbar, dass auch nur ein Quadratmeter ukrainisches Territorium unter russischer Kontrolle verbleibt. Die Botschaft an die Führung in Moskau muss doch sein: Egal was du tust, egal womit du drohst, es wird nicht erfolgreich sein.

Hier sind wir an einem Wendepunkt in der Geschichte, an dem Deutschland Führungsstärke beweisen muss: Führung, die jetzt einfach nicht sichtbar ist; Führung, die Taten statt Worte braucht und wo die Taten auch der Zielsetzung entsprechen müssen. Es kann doch nicht sein, dass die Bundesregierung als Zielsetzung ausgibt, dass die ukrainischen Truppen die Russen vertreiben sollen, dass die Ukraine diesen Krieg gewinnen muss, und dann nicht mit allen Möglichkeiten die Ukraine unterstützt. Ein ukrainischer Sieg und damit Frieden in Europa kann nicht erreicht werden, wenn wir der Ukraine nicht alle Fähigkeiten geben, alle Möglichkeiten geben, ihn zu erkämpfen. Da brauchen wir Nägel mit Köpfen.

(Beifall bei der CDU/CSU)

Da müssen endlich Taten folgen.

Wir brauchen endlich eine dauerhafte Unterstützungskonferenz unter der Führung Deutschlands, die erstens sicherstellt, dass wir die Ukraine kurzfristig mit allem bei der Industrie verfügbaren Material unterstützen – das heißt, grünes Licht für Marder und Leopard 1 –,

(Dr. Marcus Faber [FDP]: Wo im Antrag finde ich das?)

und die zweitens sicherstellt, dass wir dauerhaft – in drei, sechs und auch in zwölf Monaten noch – unterstützen und liefern können. Ich habe nicht gesehen, dass für die in die Ukraine gelieferten Haubitzen oder auch die Artilleriegeschosse Ersatz nachbestellt wurde. Das ist doch ein Armutszeugnis, meine Damen und Herren.

(Beifall bei der CDU/CSU – Dr. Marcus Faber [FDP]: Wo steht es im Antrag?)

Drittens müssen wir auch für mehr Kampfkraft mit Leopard 2 sorgen – eine Gemeinschaftsaktion, wie es Wissenschaft und auch Kollegen der Ampelkoalition vorgeschlagen haben.

Viertens – ich komme dann auch zum Ende, Frau Präsidentin – braucht es bereits jetzt die Konzeption, wie die ukrainische Armee in der Zukunft ausgestattet ist, sodass sie eine Abschreckungswirkung entfalten kann, dass es nie wieder ein feindlicher Soldat wagt, ukrainisches Territorium zu betreten.

Meine Damen und Herren, das ist doch das, was Europa von Deutschland erwartet. Das ist das, was Führung bedeutet. Wir brauchen auch keine weiteren Anträge zu stellen, wenn die Regierung endlich einmal beherzt die Dinge in die Hand nimmt.

Also, die Ankündigung allein reicht aber nicht. Sie müssen jetzt schon zum Schluss kommen.

Ich bin am Ende.

(Sara Nanni [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ja, Sie sind am Ende!)

Führung bedeutet, dass wir jetzt die Kräfte der Freiheit mit Nachdruck und Entschlossenheit unterstützen. Es geht um das Selbstverständnis des Parlaments, und deswegen bitte ich um Unterstützung für den Antrag.

Herzlichen Dank.

(Beifall bei der CDU/CSU)

Letzter Redner in dieser Debatte ist für die SPD-Fraktion Bernd Westphal.


Daten
Quelle Deutscher Bundestag, Nutzungsbedingungen
Quellenangabe Deutscher Bundestag via Open Parliament TV
Abgerufen von http://dbtg.tv/fvid/7546361
Wahlperiode 20
Sitzung 56
Tagesordnungspunkt Entschließungsantrag zur Regierungserklärung vom 22. Juni 2022
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