Holger BeckerSPD - Start-up-Strategie der Bundesregierung
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Minister Habeck! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Debatte hat gezeigt, dass dieser Koalition das Thema „Unternehmensgründungen und Start-ups“ ja ganz offensichtlich extrem wichtig ist. Ich denke, das geht tatsächlich auch über diese Koalition hinaus.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Wir sehen darin ein enormes Potenzial, um unsere Volkswirtschaft langfristig wettbewerbsfähig zu halten.
Nicht nur als direkt gewählter Abgeordneter für Jena – eine der Start-up-Hochburgen in den neuen Bundesländern –, sondern auch als jemand, der vier Techunternehmen mitgegründet hat, weiß ich, wie notwendig die Maßnahmen der vorgestellten Strategie für die deutsche Gründerszene sind. Im Sommer habe ich direkt nach Bekanntwerden der Strategie in Jena zwei Workshops gemacht, an denen ungefähr 40 Gründerinnen und Gründer teilgenommen haben. Die Resonanz und der Wunsch nach einem konstruktiven Austausch zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik waren extrem hoch. Ich glaube, diesen Austausch müssen wir weiterführen.
Die Tatsache, dass nach sechs Monaten erste Maßnahmen in der Umsetzung sind, lässt mich dabei hoffnungsvoll auf dieses Jahr blicken. Die jungen Unternehmen, die unsere wirtschaftliche Dynamik ankurbeln und wertvolle Beiträge, gerade im Bereich der technologischen und sozialen Innovation, beisteuern, erhalten durch diese Strategie endlich den Rückenwind, den sie dringend benötigen.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
Was mich besonders freut, ist, dass das Handlungsfeld zu Ausgründungen aus der Wissenschaft bereits vor den Feiertagen angegangen worden ist; das Stichwort „EXIST/EXIST-Women“ ist ja schon gefallen. Es geht voran, und genau dadurch bekommen die Gründer/-innen und Investor/-innen den Mut und eine Belohnung für ihre Risikobereitschaft mit den bestmöglichen Rahmenbedingungen. Dass wir ein bisschen mehr Mut brauchen, gilt übrigens nicht nur im Bereich Start-up, sondern auch im Bereich der Verwaltung. 80 Prozent der deutschen Start-ups wünschen sich einen Bürokratieabbau bei öffentlichen Förderprogrammen. Das Thema sollten wir natürlich auch angehen.
(Beifall bei der SPD und der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Dazu gehört im Bereich „innovative Finanzierungsinstrumente“ eine ganze Palette an Maßnahmen. Ich möchte an dieser Stelle eine Lanze brechen für einen Publikumsfonds mit staatlicher Risikoabsicherung für Kleinanleger. Denn ich möchte die Möglichkeiten der Beteiligung an jungen Unternehmen demokratisieren. Es sollen alle daran beteiligt sein, alle daran partizipieren können und nicht nur diejenigen, die sich ein Family Office leisten können.
Herr Habeck, Sie schreiben in Ihrer Unterrichtung vollkommen richtig, dass Start-ups Ideengeber und Innovationstreiber sind. Gerade im Bereich der sozialen Innovationen leisten Start-ups einen signifikanten Beitrag dazu, nicht nur unsere Wirtschaft, sondern auch unsere Gesellschaft nachhaltiger und inklusiver zu gestalten. Daher begrüße ich es außerordentlich, dass die Strategie ein gesamtes Handlungsfeld zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für gemeinwohlorientierte Start-ups beinhaltet.
Wie ich durch meinen Austausch mit der Beauftragten für Soziale Innovationen, die übrigens am BMBF angesiedelt ist, weiß, wird gerade eine „Nationale Strategie für Sozialunternehmen und Soziale Innovationen“ erarbeitet. Es ist extrem wünschenswert, dass sich Ihre beiden Resorts hier eng abstimmen, sodass wir zwei miteinander verzahnte und aufeinander aufbauende Strategien für das Jahr 2023 haben, um die bestmögliche Schützenhilfe für unsere mutigen Gründerinnen und Gründer zu leisten.
Vielen Dank.
(Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
Quelle | Deutscher Bundestag, Nutzungsbedingungen |
Quellenangabe | Deutscher Bundestag via Open Parliament TV |
Abgerufen von | http://dbtg.tv/fvid/7549880 |
Wahlperiode | 20 |
Sitzung | 78 |
Tagesordnungspunkt | Start-up-Strategie der Bundesregierung |