17.03.2023 | Deutscher Bundestag / 20. WP / Sitzung 92 / Tagesordnungspunkt 23

Nicole BauerFDP - Vereinbarte Debatte zum Internationalen Frauentag

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Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Ministerinnen und Minister! Werte Kolleginnen und Kollegen! „ We educate women because it changes our world.“ Dieses Zitat hat uns die ehemalige Präsidentin der Harvard University Drew Gilpin Faust gelehrt. Und das ist eines meiner Herzensanliegen. Denn es ist so vieles, was dieses Zitat in sich birgt: einerseits Frauenrechte und Bildung weltweit; andererseits hat es auch Gültigkeit für Frauen in Iran, in Afghanistan, aber auch in Afrika. Das gilt aber nicht nur dort, sondern auch bei uns im eigenen Land, wenn es um Frauen und Digitalisierung geht.

Am Internationalen Frauentag vergangene Woche hatte ich die Ehre, Teil der deutschen Delegation bei der UN-Frauenrechtskommission in New York zu sein. Dort haben wir diskutiert, wie Parlamente weltweit dafür sorgen können, dass digitale Transformation mehr Chancenverwirklichung für alle Menschen schafft. Denn ich betone: Frauenrechte sind Menschenrechte.

(Beifall bei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Das gilt für politische, wirtschaftliche und soziale Teilhabe, aber insbesondere auch für das Recht auf Bildung. Diese Rechte sind unerlässlich, und deshalb sind sie auch unverhandelbar, denn: We educate women because it changes our world.

Digitale Bildung ist digitale Teilhabe. Die Digitalisierung stellt für uns eine große Chance dar, um echte Chancenverwirklichung aller Geschlechter zu erreichen. In vielen Ländern weltweit tragen neue Technologien bereits dazu bei, dass Frauen einen besseren Zugang zu Bildung, zu Wissen, aber auch zur politischen Teilhabe haben. Und dennoch besteht eine digitale Kluft. Weltweit haben rund 250 Millionen weniger Frauen als Männer Zugang zum Internet. Das müssen wir verändern, meine Damen und Herren!

(Beifall bei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

In Deutschland hat die Digitalisierung in der Arbeitswelt in den letzten Jahren bereits viele Verbesserungen für Frauen herbeigeführt. Neue, flexiblere Arbeitsformen führen für Männer und Frauen zu einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Für Gründerinnen und Gründer haben sich neue Geschäftsmodelle und Vermarktungskanäle ergeben. Aber ganz besonders das Interesse der Investoren an weiblichen Gründern ist deutlich gestiegen. Digitalisierung ist somit der Schlüssel für Selbstbestimmtheit.

Das Schlagwort, das viele von Ihnen sicherlich auch kennen, gerade in Zeiten des Fachkräftemangels, lautet: Female Tech Talent Gap. Diesem können wir aber nur begegnen, indem wir endlich die MINT-Bildung für Mädchen viel stärker machen und das als Schlüssel dafür verwenden. Deshalb freut es mich ganz besonders, dass dieses Interesse, die Stärkung der MINT-Bildung, auch unsere Bildungsministerin teilt; denn angesichts des prognostizierten Fachkräftemangels von 1,5 bis 4 Millionen Arbeitskräften im Technologiesektor können wir es uns schlicht gar nicht leisten, auf die Frauen in diesen Bereichen zu verzichten. Ein höherer Frauenanteil in der Technologiebranche ist hier die Lösung.

(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)

Um dieses ungenutzte Potenzial zur Stärkung der Innovationsfreudigkeit und ‑fähigkeit des Standortes Deutschland, aber auch Europas zu heben, um mehr Frauen für MINT-Studienfächer, aber auch als IT-Fachkräfte zu gewinnen, müssen wir die MINT-Berufsorientierung bei Mädchen weiter stärken. Unternehmen sollten Frauen im Technologiebereich noch besser fördern und sie mit flexibleren Arbeitsmodellen langfristig an sich binden.

(Beatrix von Storch [AfD]: Frauen sind doch nicht behindert!)

Das Potenzial der Frauen darf in so einem wichtigen Bereich wie dem Innovations- und Technologiesektor nicht länger unterschätzt werden. Das Potenzial der Digitalisierung ist immens; das gilt aber auch für die Herausforderungen. Cybermobbing, sexualisierte Gewalt gegen Frauen im digitalen Raum, aber auch diskriminierende Algorithmen im Hinblick auf die künstliche Intelligenz – das sind nur einige dieser möglichen Herausforderungen. Der digitale Wandel erfordert für uns alle, dass wir einerseits darauf achten, wer Technologie nutzt und weiterentwickelt, aber auf der anderen Seite auch darauf, wer sie diskriminiert und wen wir zurücklassen. Denn es ist nur dann ein Fortschritt, wenn Frauen und Männer in unserer ganzen Gesellschaft gleichermaßen von Vielfalt und Digitalisierung profitieren. Digitalisierung fördert die Vielfalt unserer Gesellschaft, Vielfalt wiederum die Innovationen.

Wie Barack Obama einst so schön sagte: Vielfalt ist kein Akt der Nächstenliebe, sondern Motor für Exzellenz. – Also erst dann, wenn wir bei dem Ziel angekommen sind, dass Frauen in der Technik und in der IT eine Selbstverständlichkeit sind, dann können wir weiter in die Zukunft blicken. Bildung und digitale Teilhabe sind der Schlüssel für echte Chancengerechtigkeit und Diversität. Lassen Sie uns also gemeinsam die digitale Transformation nutzen und unser Land in eine bessere Zukunft führen für mehr Chancenverwirklichung!

Vielen Dank.

(Beifall bei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Vielen Dank, Frau Kollegin Bauer. – Nächste Rednerin ist die Kollegin Heidi Reichinnek, Fraktion Die Linke.

(Beifall bei der LINKEN)


Daten
Quelle Deutscher Bundestag, Nutzungsbedingungen
Quellenangabe Deutscher Bundestag via Open Parliament TV
Abgerufen von http://dbtg.tv/fvid/7551996
Wahlperiode 20
Sitzung 92
Tagesordnungspunkt Vereinbarte Debatte zum Internationalen Frauentag
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