Muhanad Al-HalakFDP - Nationale Wasserstrategie
Sehr verehrte Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! 176 Milliarden Kubikmeter Wasser im Grund- und Oberflächenwasser, das sind unsere verfügbaren Wasserreserven, die Deutschland zu einem wasserreichen Land machen. Davon brauchen wir 20 Milliarden Kubikmeter für unsere öffentliche Wasserversorgung, für Industrie, Bergbau und Landwirtschaft, zum großen Teil für unsere Energiegewinnung. Das sind nur 11 Prozent der Gesamtmenge des verfügbaren Wassers. Der große Rest gehört der Natur.
Betrachtet man diese Bilanz in dieser Einfachheit, möchte man fast denken: Alles in Butter, Wasser ist für alle da, weitermachen! – Aber, meine Damen und Herren, Geld kommt nicht aus dem Automaten, Strom nicht aus der Steckdose, und Wasser kommt nicht einfach aus dem Hahn. Die Jahre von 2018 bis eigentlich heute haben uns Dürre, Trockenstress und Niedrigwasser krassen Ausmaßes vor Augen geführt. Auf der anderen Seite sind Überflutungen über uns hereingebrochen, auf die wir so einfach nicht vorbereitet waren. Es macht mich froh, dass die Bundesregierung mit dieser Nationalen Wasserstrategie ganz deutlich macht: Wir haben umfassenden Handlungsbedarf. Dessen nehmen wir uns heute an.
(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Denn allein seit dem Jahr 2000 belaufen sich die Kosten des Klimawandels auf 145 Milliarden Euro. Geschätzte 900 Milliarden Euro könnten bis 2050 noch hinzukommen. Das wird vor allem Verwüstungen durch Überschwemmungen und Sturzfluten, wie wir sie im Ahrtal erleben mussten, aber auch sogenannten stillen Extremwettern, die zu Dürren und immensen Ernteausfällen führen, geschuldet sein.
Hier liegt meiner Meinung nach ein Potenzial begraben – das meine ich ganz wörtlich –, wo künftig das eine Extrem das andere entschärfen könnte. Damit meine ich in erster Linie das Auffangen und die Speicherung kommender Starkregen und Sturzfluten. Zum Beispiel können wir in Städten durch das Prinzip der Schwammstadt und Regenrückhaltebecken Starkregen immer besser kontrollieren. Doch im ländlichen Raum können Sturzfluten eine ganz andere Fließgeschwindigkeit und Zerstörungskraft entfalten. Deswegen brauchen wir hier andere Strategien. Das haben wir im Ahrtal erleben müssen. Wir haben in Deutschland nicht nur ein Ahrtal, sondern wir haben viele.
Wissen Sie, meine Damen und Herren, ein kluger Mensch sagte mal: „Probleme sind nur dornige Chancen.“
(Heiterkeit und Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Wenn es ums Wasser geht, bin ich der Überzeugung: Investitionen sind klug übernommene Kosten. Deswegen verschreibe ich mich auch dem Vorsorgeprinzip dieser Nationalen Wasserstrategie. Das heißt konkret: die Förderung detaillierter Gefahrenkarten und lokale Gefahrenanalysen, die Errichtung von Auffangbecken für Sturzfluten und Gefahrregionen und vor allem Schluss mit alten Bebauungsplänen aus der Kaiserzeit. Der Dreiklang aus „Gefahr erkannt, Gefahr gebannt und schlussendlich auch abgewandt“ ist ein nachhaltiges Gesamtkonzept. Durch Auffang- und Speichermöglichkeiten werden ganze Landstriche vor der Zerstörung geschützt und obendrein unzählige Menschenleben.
(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD)
Andersherum kann dieses gespeicherte Wasser in Zeiten extremer Wasserknappheit und niedriger Pegelstände kontrolliert an Flüsse und umliegende Nutzflächen abgegeben werden. Der finanzielle Schaden, der durch komplett zerstörte Gemeinden, dürrebedingte Ernteausfälle oder zerstörte Ökosysteme entsteht, wird in beiden Fällen, egal ob Dürre oder Flut, enorm abgefedert.
Die Sturzflut im Ahrtal hat unglaubliches Leid, zerstörte Existenzen und 50 Milliarden Euro Folgekosten hinterlassen. So dringend diese 50 Milliarden Euro dort auch benötigt werden und so richtig eingesetzt sie auch sind, uns allen hier muss doch klar sein, dass wir uns so viel Leid, so viel Zerstörung und auch so hohe Folgekosten in Zukunft einfach nicht mehr leisten können.
(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Und deswegen vereinen wir in dieser Strategie zum ersten Mal nachhaltigen Schutz von Menschenleben und Ökosystemen mit „klugen Kosten“. Das ist ein guter Tag für das Wasser. Das ist ein guter Tag für die Menschen in unserem Land. Das ist ein guter Tag für die zukünftige Generation.
Meine Damen und Herren, ich bin ein Fan.
Vielen Dank.
(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Das Wort erhält für Die Linke Ralph Lenkert.
(Beifall bei der LINKEN)
Quelle | Deutscher Bundestag, Nutzungsbedingungen |
Quellenangabe | Deutscher Bundestag via Open Parliament TV |
Abgerufen von | http://dbtg.tv/fvid/7552599 |
Wahlperiode | 20 |
Sitzung | 96 |
Tagesordnungspunkt | Nationale Wasserstrategie |