Fabian FunkeSPD - Regierungserklärung zum Europäischen Rat
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Auch zweieinhalb Jahre nach Ausbruch des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine ist es leider traurige Realität – das haben wir heute wieder gehört –, dass in diesem Hause die deutschen Vertreter, aber auch Verklärer und Verherrlicher Wladimir Putins vom Rednerpult aus Propaganda verbreiten. Deswegen möchte ich zu Beginn noch mal deutlich klarstellen, über was für ein Land wir da eigentlich gerade reden.
Russland befindet sich im Umbau zu einer geschlossenen und faschistischen Diktatur, mit einer Opposition, die nicht mehr existiert, weil sie wahlweise geflohen ist oder inhaftiert oder umgebracht wurde, mit Propagandaunterricht an allen Schulen und Universitäten – Herr Moosdorf wird ja bald, nach seinem unsäglichen Engagement, live davon berichten können – und dem obersten Staatsziel der Vereinigung des orthodoxen Kulturraums in einer Art Großreich, mit einem Feindbild eines dekadenten Westens und einer Umstellung seiner Wirtschaft auf eine komplette Kriegswirtschaft. Auch deswegen ist die Unterstützung der Ukraine im ureigenen europäischen Interesse, und auch deswegen ist die Unterstützung der Ukraine notwendig und muss weitergehen.
(Beifall bei der SPD)
Sie von der AfD wissen das alles; aber es ist Ihnen egal, weil Sie – entgegen Ihrer eigenen Folklore – doch gar nicht im Interesse der Bundesrepublik Deutschland unterwegs sind. Sie sehen in Wladimir Putin und seinem Gesellschaftsbild ein Vorbild. Sie begreifen sich doch selbst als eine Art Außenposten im Kampf gegen die europäische Demokratie: Der sächsische AfD-Landtagsabgeordnete Dornau betreibt in Belarus eine Zwiebelfarm, auf der, wenn man Zeitungsberichten Glauben schenken mag, politische Zwangsarbeiter arbeiten könnten. Ihr Kollege Bystron hat Berichten zufolge Bestechungsgelder von einer russischen Propagandaplattform erhalten. Ihr Kollege Maximilian Krah hat jahrelang einen chinesischen Geheimdienstler beschäftigt.
(Johannes Schraps [SPD]: Die Liste könnte fortgesetzt werden!)
Und das ist nur die Spitze des Eisbergs.
(Johannes Schraps [SPD]: Genau! – Stephan Brandner [AfD]: Reden Sie doch mal über Ihren pädophilen Bürgermeister! Und die Schleuserbande in NRW! Das wäre doch mal ein Thema für Sie, oder nicht?)
Also sparen Sie sich doch bitte die vorgeschobenen und zynischen Reden zu Frieden, Energiepreisen und der deutschen Wirtschaft! Sie selbst sind nichts anderes als die Erfüllungsgehilfen Russlands.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP – Zuruf des Abg. Martin Reichardt [AfD])
Aber zurück zum eigentlichen Thema: der Ukraine. All die Unterstützung, die wir für die Ukraine leisten, dient einem einzigen Ziel: der Ukraine die Möglichkeit zu geben, sich zu verteidigen und sich in eine Position zu bringen, in der Russland eins bewusst wird: Frieden wird es nur am Verhandlungstisch geben, nicht durch einen militärischen Sieg.
(Zurufe von der AfD)
Denn das ist das Ziel: Frieden, langfristiger Frieden, keine Atempause für Russland nach einem erfolgreichen Krieg, sondern eine stabile Nachkriegsordnung in Europa.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Martin Reichardt [AfD]: Was machen Sie gegen den Krieg, Sie persönlich? Was machen Sie denn?)
Sowohl die europäischen Staaten als auch die ukrainische Regierung unterstützen diesen Weg, auch im Rahmen einer zweiten Friedenskonferenz; das hat der Bundeskanzler ja auch noch mal deutlich gemacht. Eine einseitige Aufkündigung dieser Unterstützung wiederum würde den Weg freimachen für noch mehr tödliche Auseinandersetzungen in der Zukunft.
Aber die Herstellung von Frieden ist in der Tat mehr als nur Rhetorik, mehr als einfache Forderungen auf einem Wahlplakat. Die Herstellung von Frieden kann nur dann möglich sein, wenn man sich auf die Komplexität der Realität einlässt.
Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen vom BSW, stehen nun in drei Bundesländern vor genau dieser Herausforderung.
(Martin Reichardt [AfD]: Sie stehen hier in Turnschuhen und reden davon, dass andere Krieg führen sollen! Ein Trauerspiel ist das! – Gegenruf des Abg. Christian Petry [SPD]: Jetzt sei doch mal ruhig!)
Sie haben Verantwortung für die Realität, und wir alle hier im Plenum haben ein Interesse an einem dauerhaften und gerechten Frieden für die Ukraine. Wir alle setzen uns dafür ein, dass er möglichst schnell kommt.
(Martin Reichardt [AfD]: Was machen Sie denn persönlich? Welchen Beitrag können Sie leisten?)
Aber entgegen der Wahlkampfrhetorik werden auch Sie schnell feststellen: Außenpolitik wird nicht in Dresden, Erfurt oder Potsdam gemacht. Und sollten Sie sich – und das hoffe ich – für die Übernahme von Verantwortung entscheiden,
(Stephan Brandner [AfD]: Sie von der SPD braucht ja keiner mehr!)
werden Sie ebenso schnell merken: So einfach ist die Realität dann auch nicht.
Vielleicht ist es gewinnbringender, gemeinsam an Sachfragen zu arbeiten, die die Menschen in diesem Land jeden Tag betreffen, als die großen Themen ins Schaufenster zu stellen. Das würde ich mir für die Zukunft unseres Landes wünschen.
Vielen Dank.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Quelle | Deutscher Bundestag, Nutzungsbedingungen |
Quellenangabe | Deutscher Bundestag via Open Parliament TV |
Abgerufen von | http://dbtg.tv/fvid/7616768 |
Wahlperiode | 20 |
Sitzung | 193 |
Tagesordnungspunkt | Regierungserklärung zum Europäischen Rat |