Götz FrömmingAfD - Schule: Luftfilter, Digitalisierung, Förderung
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Die Lage an unseren Schulen ist dramatisch, und sie ist auch deshalb dramatisch, weil Bund und Länder in den vergangen Monaten Entscheidendes versäumt haben und weil sie sich in den Jahren zuvor mit den falschen Projekten beschäftigt und die Weichen falsch gestellt haben.
Bereits Anfang März hat die AfD-Fraktion die kurzfristige – kurzfristige! – Schließung der Schulen und Grenzen gefordert. Zu diesem frühen Zeitpunkt hätten derartige Maßnahmen noch etwas gebracht. Die Bundesregierung hingegen hat wertvolle Zeit verstreichen lassen und dann viel zu spät und panikartig reagiert.
(Beifall bei der AfD)
Statt wenige Wochen waren die Schulen dann gleich mehrere Monate geschlossen. Meine Damen und Herren, das war vollkommen unverhältnismäßig und hat einer ganzen Schülergeneration schweren Schaden zugefügt.
Drei großangelegte Forschungsarbeiten kommen zu dem Ergebnis, dass der Fernunterricht – sofern er überhaupt durchgeführt wurde – dem schulischen Fortkommen keineswegs dienlich ist. In Mathematik wussten die Schüler nach dem Onlineunterricht – gemäß diesen Untersuchungen – sogar weniger als vorher.
Monatelang, meine Damen und Herren, haben Sie sich gemeinsam mit Ihren Parteifreunden in den Ländern mit einem Schaufensterprojekt namens DigitalPakt beschäftigt und dabei die Augen vor den eigentlichen Problemen verschlossen –
(Albert Rupprecht [CDU/CSU]: Unsinn!)
vielleicht waren sie Ihnen auch zu groß –, und genau das fällt uns jetzt auf die Füße. Es fehlen die Lehrer, um kleinere Klassen einzurichten, und in maroden, zu kleinen Gebäuden mit kaputten Sanitäranlagen kann man kein vernünftiges Hygienekonzept hinbekommen.
(Beifall bei der AfD)
Um nicht missverstanden zu werden: Eine gute Anbindung der Schulen an das Internet ist wichtig und eigentlich eine Selbstverständlichkeit, und natürlich können digitale Lernmittel das Buch, die Tafel, den Füller ergänzen; Lehrer und Schüler machen das ja auch längst. In Wirklichkeit geht es aber doch um etwas anderes: Es geht um die Lufthoheit im Klassenzimmer. Die hat bislang der Fachlehrer, der sich an pädagogischen und didaktischen Gesichtspunkten bei der Planung seines Unterrichts orientiert. Er steht den letztlich einerseits ideologischen, andererseits aber auch kommerziellen Interessen von Stiftungen und Konzernen im Wege, die unsere Schulen gerne zu einem Markt und Bildung zu einer mess- und handelbaren Ware machen möchten. Meine Damen und Herren, wir wollen das nicht, und die Eltern und Schüler wollen das auch nicht.
(Beifall bei der AfD)
Wir hören jetzt immer öfter, dass man gar keine Fachlehrer bräuchte. Diese seien leicht zu ersetzen durch Lernbegleiter oder, wie man auf Neudeutsch jetzt sagt, einen Coach. Der kann dann sozusagen die Computer anmachen und schauen, dass die Schüler auf die richtige Seite gehen. Auch das lehnen wir entschieden ab, weil es ein Irrweg ist.
An Berliner Grundschulen, meine Damen und Herren, werden inzwischen 70 Prozent des Mathematikunterrichts fachfremd unterrichtet. Beim Deutschunterricht ist es nicht ganz so schlecht, da sind es 55 Prozent – auch noch viel zu viel. Diese Lehrer haben das Fach nicht studiert. In Berlin werden immer mehr Lehrer ohne volle Lehrbefähigung eingestellt, einige, so lesen wir, haben nicht einmal das Abitur. Vergleichen wir mal, wie das in anderen Ländern aussieht, die bei den PISA-Vergleichen – die kann man kritisieren – an der Spitze stehen: Taiwan oder Singapur. Dort kann niemand Grundschullehrer werden, der nicht das Fach Mathematik mit seiner Didaktik studiert hat. Das sollten wir uns mal zum Vorbild nehmen.
(Beifall bei der AfD)
Meine Damen und Herren, die fachliche Kompetenz und das persönliche Band zwischen Schüler und Lehrer sind für den Lernerfolg von entscheidender und zentraler Bedeutung. Deshalb haben wir das in unserem Antrag, der insgesamt neun konkrete Punkte enthält, ganz an die Spitze gestellt. Weder der Computer noch selbstorganisiertes Lernen können das ersetzen. Wir wissen heute nicht, welche Anforderungen die Zukunft an unsere Schüler stellen wird. Deshalb ist eine breite und solide Allgemeinbildung das Wichtigste, und dafür stehen gut ausgebildete Lehrer.
(Beifall bei der AfD)
Deshalb sagen wir – ich zitiere abschließend den neuseeländischen Bildungsforscher, in Anlehnung –: Es kommt auf den Lehrer an und nicht allein auf die Technik.
Vielen Dank.
(Beifall bei der AfD)
Nächste Rednerin ist die Kollegin Marja-Liisa Völlers, SPD.
(Beifall bei der SPD)
Quelle | Deutscher Bundestag, Nutzungsbedingungen |
Quellenangabe | Deutscher Bundestag via Open Parliament TV |
Abgerufen von | http://dbtg.tv/fvid/7486974 |
Wahlperiode | 19 |
Sitzung | 196 |
Tagesordnungspunkt | Schule: Luftfilter, Digitalisierung, Förderung |