13.03.2024 | Deutscher Bundestag / 20. WP / Sitzung 156 / Zusatzpunkt 2

Bernhard LoosCDU/CSU - Vetorecht bei Waffenexporten in Konfliktgebiete

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Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen! Wir alle wollen in Freiheit, körperlicher Unversehrtheit und Frieden leben. Frieden ist aber ohne Sicherheit und damit in der Konsequenz ohne wirksame Abschreckung durch Waffen und ohne eine effektive Verteidigungsmöglichkeit im Falle eines Überfalls reine Utopie. Eine friedliche Welt wäre der erträumte Idealzustand.

Nur, die Realität sieht anders aus. Länder wie Russland setzen auf das angebliche Recht des Stärkeren, auf kriegerische Gewalt, auf Angst und Schrecken. Und leider setzt Putin auch auf die Einschüchterung unserer Bevölkerung und wohl auch des deutschen Bundeskanzlers. Nur so lässt sich seine Ablehnung der Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern erklären.

Unionsgeführte Bundesregierungen haben stets eine restriktive und verantwortungsvolle Rüstungspolitik betrieben und im Einzelfall stets abgewogen entschieden. Die Ausfuhr aller Rüstungsgüter ist genehmigungspflichtig, die Leitplanken sind klar und öffentlich bekannt: die außen-, sicherheits- und menschenrechtspolitischen Aspekte im Rahmen des Kriegswaffenkontrollgesetzes, das Außenwirtschaftsgesetz und die Außenwirtschaftsverordnung, die Politischen Grundsätze der Bundesregierung für den Export von Kriegswaffen und sonstigen Rüstungsgütern und der Gemeinsame Standpunkt des Rates der EU. Zudem sorgen die parlamentarische Vorlage der jährlichen Rüstungsexport- sowie der Zwischenberichte für besondere Transparenz in der Rüstungsexportpolitik – ein bewährtes hohes Gut der parlamentarischen Kontrolle. Regierungshandeln muss aber auch schnelles Handeln ermöglichen.

Die AfD will mit ihrem Antrag offensichtlich ernsthaft suggerieren, dass eine Bundesregierung, die ja eine parlamentarische Mehrheit als Basis ihres Regierungsauftrages hat, gegen den Willen der sie tragenden parlamentarischen Mehrheit Waffen exportieren würde.

(Matthias Moosdorf [AfD]: Fragen Sie doch Herrn Kiesewetter!)

Nur so, als Misstrauen, kann man ein Vetorecht verstehen.

(Matthias Moosdorf [AfD]: Fragen Sie doch Herrn Kiesewetter!)

Nein, der AfD geht es doch in Wirklichkeit mit ihrem Antrag nicht um eine Stärkung der Rechte des Bundestages. Der AfD-Antrag ist doch nichts anderes als eine getarnte Unterstützung der ideologischen Sichtweise Moskaus,

(Matthias Moosdorf [AfD]: So ein Schwachsinn!)

nach der der Westen durch Waffenlieferungen Kriegspartei würde.

(Beifall bei der CDU/CSU)

Ihnen geht es offensichtlich um Unterstützung der ideologischen Propaganda Putins. Das wird schon im allerersten Satz Ihrer Begründung klar, wenn Sie schreiben: „Seit dem 24. Februar 2022 befindet sich die Ukraine in einem Krieg mit Russland.“ Es ist aber umgekehrt: Russland überfiel die Ukraine.

(Beifall bei der CDU/CSU und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP)

Der Ampelregierung sage ich aber auch: Wir brauchen kein zusätzliches Rüstungsexportkontrollgesetz, das eine Rüstungszusammenarbeit in Europa erschweren, Deutschland bei der NATO-Rüstungszusammenarbeit ausgrenzen, mehr Bürokratie schaffen und mit einem Verbandsklagerecht die Rüstungswirtschaft lahmlegen würde.

(Klaus-Peter Willsch [CDU/CSU]: Sehr gut!)

Zu einem kraftvollen Europa gehört eben auch eine effektive Zusammenarbeit in der Rüstungsproduktion.

(Beifall bei der CDU/CSU sowie des Abg. Ulrich Lechte [FDP])

Der Vertrag von Aachen und das Abkommen über Ausfuhrkontrollen im Rüstungsbereich gibt den Rahmen für die künftige Zusammenarbeit der europäischen Verteidigungsindustrie vor. Es ist ein elementarer Schritt für eine vertrauensvolle und enge Zusammenarbeit, und es schafft vor allem auch Planungssicherheit.

Lassen Sie es mich zum Abschluss nochmals klar und deutlich sagen: Wir als CDU/CSU stehen an der Seite der Ukraine, der unschuldigen Menschen und der für die Freiheit ihrer Heimat kämpfenden ukrainischen Soldaten. Wir stehen ganz grundsätzlich für die westlichen Freiheitswerte und Humanität. Das Unrecht des Stärkeren darf sich nicht durchsetzen. Der russische Angriffskrieg mit seiner Brutalität und Unmenschlichkeit muss enden. Das sind auch die moralisch richtigen Gründe für unsere Waffenlieferungen an die Ukraine. Wir leisten Hilfe zur Selbsthilfe gegen einen Aggressor.

Danke für Ihre Aufmerksamkeit.

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)

Vielen Dank, Herr Kollege Loos. – Letzte Rednerin des heutigen Tages ist die Kollegin Sara Nanni, Bündnis 90/Die Grünen.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP)


Daten
Quelle Deutscher Bundestag, Nutzungsbedingungen
Quellenangabe Deutscher Bundestag via Open Parliament TV
Abgerufen von http://dbtg.tv/fvid/7608325
Wahlperiode 20
Sitzung 156
Tagesordnungspunkt Vetorecht bei Waffenexporten in Konfliktgebiete
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